Geschichte

Aus dem Buch «150 Jahre Monte Rosa (1865 – 2015)»


Cabane Bétemps (1895 – 1939)

Die Cabane Bétemps wurde auf 2990 Metern Höhe am Fuss des Monte Rosa im Plattje errichtet und 1895 eröffnet. Die Hütte aus Holz verfügte nur über einen Raum und bot damals Platz für 25 Personen. Sie wurde nach dem Spender François Bétemps benannt, der dem SAC in seinem Testament einen grosszügigen Betrag für den Bau der Hütte hinterlassen hatte. Auch die Familie Seiler aus Zermatt unterstützte den Bau finanziell. Damals wurde die Cabane Bétemps vom SAC Zentralverband verwaltet, der sie 1918 auf 45 Plätze vergrösserte.

1929 wurde die Sektion Monte Rosa Eigentümerin der Hütte. Ein weiterer Umbau der Hütte erfolgte 1930. Sie erhielt eine 50 cm dicke Mauer. Die Zahl der Plätze blieb unverändert. Nach diesen Renovierungsarbeiten wurde die Hütte eine der meistbesuchten der Sektion. Grund dafür war der boomende Wintertourismus.

 Monte Rosa Hütte (ab 1939)

1939 erfolgte ein grösserer Umbau: Die Küche und die Schlafräume wurden getrennt und die Zahl der Übernachtungsplätze stieg auf 96. Bei der Einweihung 1940 wurde die Hütte in Monte Rosa Hütte unbenannt.

Mitte der 1940er Jahre war die Monte Rosa Hütte nach wie vor eine der meistbesuchten Hütten der Sektion Monte Rosa und der Zulauf nahm weiter zu. 1957 wurde der Essraum ausgebaut. 1972 kamen rund 30 Schlafplätze dazu, ein Teil davon im Dachgeschoss. Die ausgebaute Hütte bot nun Platz für 146 Personen.

1972 lancierte die Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA) die «Aktion saubere Berge». Das Bundesamt für Umwelt hatte festgestellt, dass die Umgebung der Monte Rosa Hütte durch Abfälle verschmutzt war. Deshalb verlangte der SAC von der Sektion Monte Rosa, nach einer innovativen und nachhaltigen Lösung für die Abfallentsorgung zu suchen. Da dies auch andere Hütten betraf, wählte der SAC die Monte Rosa Hütte als Versuchsobjekt aus.

Zwischen 1982 und 1984 wurde die Monte Rosa Hütte ein weiteres Mal renoviert und ausgebaut. Solarpanels wurden installiert, es gab eine neue Wasserzuleitung und eine Klärgrube für die Toiletten. Nach den Umbauarbeiten bot die Hütte mit dem neuen vierstöckigen Anbau Platz für 160 Personen.

Die Umbauten waren jedoch nicht zufriedenstellend: Das Toilettenreservoir musste viel häufiger geleert werden als vorgesehen. Auch die Lüftung wies Mängel auf. Durch den grossen Zulauf während der Skitourensaison im Frühling musste eine Pumpstation für Trinkwasser eingerichtet werden. Die Tanks mit einem Fassungsvermögen von 8’200 Liter wurden im Kriechkeller untergebracht.

1996 baute der Zivilschutz Zermatt verschiedene Wege über den Gletscher, die zur Hütte führten. Die Instabilität des Gletschers und weiteren Streckenabschnitten erforderten eine jährliche Erneuerung und Sicherung mit Treppen und Fixseil. Der Hüttenwart musste die Wege regelmässig kontrollieren, was für ihn einen enormen Aufwand bedeutete.

1998 ging die Solaranlage kaputt. Die Batterien mussten mit einem Stromaggregat aufgeladen werden.

Der Hüttenwart Sepp Gruber demissionierte 1999 nach 29 Jahren Dienst auf der Monte Rosa Hütte. Ihm folgte Horst Brantschen als Hüttenwart.

 

Neubau durch ETH

2002 zeigte die Hütte Altersspuren, insbesondere am Dach und mit Schimmel an den Mauern. Dadurch wurden tragende Teile langsam zerstört. Gemäss Bericht der Hüttenkommission des SAC waren eine Sanierung oder ein Wiederaufbau der Hütte unumgänglich.

Von dieser Beurteilung erfuhr die Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, die ein Grossprojekt zu ihrem 150. Geburtstag suchte. Die Abteilung Architektur, unter der Leitung von Professor Andrea Deplazes, arbeitete zusammen mit Architekturstudenten ein Projekt aus. Bei einem Architekturwettbewerb, der 2004 stattfand, gewann der Entwurf eines Gebäudes, das die Form eines Kristalls hatte.

Die Planung der neuen Hütte begann Anfang 2008 und konnte dank der Unterstützung zahlreicher Gönner und Sponsoren gebaut werden. Am 10 Juli 2010 fand die Einweihung statt. Eindrücke zum Bau der neuen Monte Rosa Hütte finden Sie hier.

Die alte Hütte wurde 2011 in einer grossen Armeeübung gesprengt.

Während der Bauarbeiten für die neue Hütte wurde auch der Hüttenweg verbessert, da das Abschmelzen und der Rückzug des Gletschers immer wieder für Probleme sorgten. 2010 wurden Leitern montiert, welche die Überquerung der Felsen am Rand des Gletschers erleichtern. Ausserdem wurde ein Steg aus Metall installiert, der die Überschreitung der Moräne ermöglichte.

Neue Monte Rosa Hütte

Die neue Monte Rosa Hütte mit 120 Plätzen wurde gespickt mit neuester Hightech und produzierte 90 Prozent des Energieverbrauchs selber. Das Autarkieziel von 90 Prozent konnte in den ersten Betriebsjahren aufgrund der hohen Besucherzahlen nicht erreicht werden. Durch das grosse mediale Echo im In- und Ausland zählte die Hütte 11’000 Übernachtungen pro Jahr. Prognostiziert waren jährlich 6’000 bis 7’000 Übernachtungen. Im Jahr 2014 hatte sich die Übernachtungszahl von 8’000 eingependelt.

2015 bis 2019 war die Familie Rubin für die Monte Rosa Hütte zuständig.

2019 übernahmen die Hüttenwarte Richard Lehner und Kilian Emmenegger die Monte Rosa Hütte.

Die Hightech-Hütte

Bei diesem innovativen Gebäude, das mit seiner speziellen Form und der silbernen Aluminiumhülle an einen Bergkristall erinnert, wurden bezüglich Haustechnik und Energiemanagement völlig neue Wege beschritten. Dank einer in die Südfassade integrierten Photovoltaikanlage sowie thermischen Solarkollektoren versorgt sich die Hütte zu über 90 Prozent selbst mit Energie. Das während nur weniger Monate im Jahr anfallende Schmelzwasser wird in einer Felskaverne gesammelt und gespeichert. Eine Mikrofilteranlage auf bakterieller Basis reinigt das Abwasser, das Grauwasser wird für die Toilettenspülung wiederverwendet. Damit die Hütte einen so hohen Energieautarkiegrad erreicht, braucht es das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten sowie ein ausgeklügeltes Energiemanagement. Eine an der ETH Zürich entwickelte Software steuert die Haustechnik.

Aus dem Buch «150 Jahre Monte Rosa (1865 – 2015)» (2015), S. 61-69, CHAMAN | Diffusion, Neuenburg